Monika Erb und Karin Hoffmann sind die Stützen des "Wir sind WIEN.FESTIVAL" - Festival der Bezirke. © Ewa Kaja

Festival der Bezirke

Von 1. bis 23. Juni läuft das "Wir sind WIEN.FESTIVAL" - Festival der Bezirke. inwien.at hat mit den Festival-Macherinnen Monika Erb, Geschäftsführerin von Basis.Kultur.Wien, und Organisatorin Karin Hoffmann gesprochen.

Ein leises Konzert im Schwimmbad oder ein Quiz für Schnelldenkerinnen und Schnelldenker, kombiniert mit Weltmusik: So ungewöhnliche Veranstaltungen wie diese gibt es nur beim "Wir sind WIEN.FESTIVAL". Monika Erb ist seit einem Jahr Geschäftsführerin von BASIS.KULTUR.WIEN - Wiener Volksbildungswerk. Dieses wurde 1955 mit dem Ziel, Bildungs- und Kulturvereine in Wien bei ihrer Arbeit zu unterstützen, gegründet. Gleichzeitig ist es die Schnittstelle zwischen professionellen Künstlerinnen und Künstlern und Amateurinnen und Amateuren. Rund 300 Vereine, von Theater über Musik bis hin zu naturwissenschaftlichen Projekten, sind Mitglied.

"Das ist genau das, was ich immer schon machen wollte. Es ist mein Traumjob", sagt Monika Erb und meint damit die Leitung von BASIS.KULTUR.WIEN beziehungsweise des "Wir sind WIEN.FESTIVALS". "Meine Arbeit verbindet Kultur, Bildung und Theater. Zu uns gehört auch die Tschauner Bühne." Vor 15 Jahren hat Erb im Bildungswerk Niederösterreich gearbeitet. "Jetzt bin ich zu meinen Wurzeln zurückgekehrt, nur mit einem anderen Schwerpunkt." Das erste Jahr hat sie genützt, um die Abläufe kennenzulernen. "Es ist ein breites Tätigkeitsfeld, das man einmal gesehen haben muss", meint Erb. Gleichzeitig hat sie erste, kleinere Veränderungen vorgenommen. "Ich wollte, dass wir weniger Veranstaltungen in den einzelnen Bezirken anbieten, um uns selbst nicht zu viel Konkurrenz zu machen."

Kultur für alle

Das Konzept ist aber gleich geblieben: Kulturangebote in den Bezirken, in den Vororten, im Freien, bei freiem Eintritt und leicht zugänglich. Für 2018 plant Erb, die Bezirke und auch Akteurinnen und Akteure aus den Bezirken noch stärker miteinzubinden. Weiters will sie mit mehr Veranstaltungen in den Randbezirken, etwa Liesing, Simmering, Floridsdorf und Donaustadt, stärkere kulturelle Impulse setzen. Festival-Organisatorin Karin Hoffmann sagt: "Wir bringen im Festival auch neue Veranstaltungsorte in den Stadtentwicklungsgebieten. Etwa im Vorjahr in der Seestadt Aspern, was sehr gut angenommen wurde."

Weiters wollen die beiden Frauen Migrantinnen und Migranten stärker einbinden. "Wir sehen hier schon noch Hemmschwellen. Wir beobachten, dass sich viele nicht eingeladen fühlen", meint Erb. Berührungsängste abbauen helfen soll unter anderem "Liebe Hoch 16". Bei der größten Produktion dieses Jahres treffen türkische Rapperinnen auf österreichische Operettensänger. Es ist eine der innovativsten Produktionen, die mit viel Aufwand auf die Straßen, Märkte und Plätze gebracht wird. Hoffmann meint: "Klassikangebote sind auch eine gute Schiene, um neue Schichten für Kultur zu interessieren. Wir haben bereits vor ein paar Jahren am Brunnenmarkt Oper ausprobiert und ein sensationelles Feedback erhalten. Menschen, die laut eigenen Angaben sonst nicht in die Oper gehen würden, sind stehengeblieben und haben zugehört. Das hat mich sehr berührt." Auch dieses Jahr bietet das Wien-Festival mit der Zauberflöte "Oper zum Einsteigen". "Unsere Zauberflöte ist interaktiv", erklärt Hoffmann, "das Publikum kann den Verlauf der Geschichte beeinflussen. Der Mitmach-Gedanke ist uns wichtig."

Arbeit mit Kreativen macht Freude

Hoffmann kommt ursprünglich aus dem Marketing- und Eventbereich. Vor neun Jahren hat sie als Tourmanagerin bei BASIS.KULTUR.WIEN begonnen. Als eine neue Festivalorganisatorin oder ein neuer Festivalorganisator gesucht wurde, hat sie sich beworben. "Ich liebe meinen Job sehr", meint sie, "es macht mir große Freude, mit Kreativen zu arbeiten, und er bietet mir auch große Freiheiten." Auch die Arbeit im Team schätzt sie. "Es ist schön, wenn es eine lässige Idee gibt, ich sie dem Team schildere und sehe, wie der Funke überspringt. Der Austausch mit Monika Erb ist sehr konstruktiv, ihr Feedback ist mir wichtig und es macht Spaß, wir haben viel Humor."

BASIS.KULTUR.WIEN stellt den Rahmen zur Verfügung, in den die Wiener Künstlerinnen und Künstler ihre Ideen einbringen können. Aus der Fülle an Einreichungen wählen die beiden Frauen aus. Die Einreichungen müssen in irgendeiner Hinsicht besonders sein. Das kann die Kombination der Musikerinnen und Musiker sein, der Austragungsort, wie etwa dieses Jahr eine Baulücke, oder sonst irgendetwas Neues. "Ein Muss ist der Wien-Bezug. Wir fliegen keine Künstlerinnen und Künstler aus dem Ausland ein." Wichtig ist den beiden auch, dass das Programm sehr breit aufgestellt ist. "Wir bieten für jeden etwas. Egal ob Kind, Teenager oder Seniorin, die sich einen schönen Abend machen will." Unverbindlichkeit ist ein weiteres Kennzeichen der Formate. "Unser Publikum kommt, schaut sich etwas an und wenn es genug hat, geht es einfach weiter. Wir haben aber auch sehr viel Stammpublikum, das man täglich in einem anderen Bezirk trifft", erklärt Hoffmann.

Ich kann sehr lästig sein

Die Arbeit ist ein ständiger Kampf ums Budget. "Wir wollen um wenig Geld viel machen", sagt die Organisatorin Hoffmann. "Uns ist es ein Anliegen, die Künstlerinnen und Künstler anständig zu bezahlen. Aber wir verwalten auch Steuergelder." Hoffmann bespricht mit den Künstlerinnen und Künstlern ihre Ideen, die Möglichkeiten der Umsetzung sowie die Kostenkalkulation. "Ich kann lästig sein und hinterfrage die Umsetzung sehr genau. Denn es sind oft Details, von denen das Gelingen einer Veranstaltung abhängt. Wenn etwa jemand im Park Heurigenbänke aufstellen will, kommt von mir gleich eine Reihe von Fragen. Etwa: Wie transportiere ich sie? Denn dazu brauche ich einen LKW. Was mache ich tagsüber mit den Bänken? Sie müssen abgebaut und verstaut werden. Wie und wo?" Oft beeindruckt sie die Künstlerinnen und Künstler mit ihrem Wissen, wie etwa die Öffnungszeiten einer öffentlichen WC-Anlage sind oder hinter welchem Baum es im Park XY eine Steckdose gibt. "Ohne Mikrofon kann ich im Park keine Lesung machen." Hoffmann hat langjährige Erfahrung in der Organisation von Veranstaltungen auf öffentlichen Plätzen und weiß, wie wichtig Detailfragen sind. "Ich weiß etwa, an welche Behörde ich mich wenden muss, um benötigte Bewilligungen zu bekommen. Ich kann die Künstlerinnen und Künstler hier sehr unterstützen. Auch bei den Produktionskosten, denn wir haben etwa eigene Fotografen und eine Druckerei, in der wir die Drucksorten günstig produzieren können."

Im November steht der Pool an Angeboten und Kooperationspartnern. Dann folgt die Detailplanung, welche Produktion wird wo gespielt, wo gibt es noch Lücken, die gefüllt werden müssen? Bei der Programmplanung sind viele Punkte zu beachten. Etwa ob zwei Veranstaltungen gleichzeitig stattfinden sollen. Oder schafft man sich damit selbst Konkurrenz? "In großen Bezirken ist das möglich, in kleinen nicht", sagt Erb. Herausfordernd ist es auch, Ersatzquartiere zu finden. "Es gibt bei fast allen Veranstaltungen einen Plan B, falls es regnen sollte. Infrastruktur kostet viel Geld, da ist es gut, wenn es zum Beispiel einen Kulturverein gibt, wo man spielen kann."

Reaktion des Publikums als Belohnung

Den Überblick über die Fülle an zu verwaltenden Daten behält Hoffmann mit einem "Excelmonster" und einem "Masterheft", einer Art Programmheft, in dem alles übersichtlich verzeichnet ist. "Optimismus, viel Mut, Stressresistenz und Neugierde in die Programmierung" muss man für ihre Arbeit mitbringen, meint sie. Die Belohnung für die Arbeit ist die Reaktion des Publikums, "ich bin sehr gerührt, wenn ich die Umsetzung einer Veranstaltung sehe, das freut mich wahnsinnig, und wenn der Funke auch fürs Publikum überspringt, war unsere Arbeit erfolgreich".